Eine ganz normale Bahnfahrt

Ein ganz normaler Morgen in einer ganz normalen deutschen Hauptstadt ist Schauplatz des heutigen Reisebeginns. Hauptbahnhof, Gleisebene 2, angekündigt ist ein ICE, heute allerdings ohne Wagen 37. Selbstverständlich der Wagen, für den meine gültige Reservierung vorliegt.

Das nächste Kapitel könnte man umschreiben mit der einmaligen Erfahrung einen Bahnsteig in kompletter Länge kennen zu lernen. Zweimal wird im Laufe der Wartezeit die angebliche Reihenfolge der Wagen geändert angesagt, fast selbstverständlich verknüpft mit der Ansage einer ersten Verspätung. Immerhin hat der Zug schon eine ganze Station hinter sich seit seinem Start am Ostbahnhof. So bleibt genügend Zeit für die Wege vor und zurück. Reisen soll ja nicht in Stress ausarten.

Leicht verwundert stehe ich dann tatsächlich an der richtigen Stelle für den Einstieg. Danach ist erst mal wieder Stillstand, der Zug kann nicht losfahren. Dafür pilgern Heerscharen an Fahrgästen erst am Fenster auf dem Bahnsteig vorbei und dann Sekunden später dieselben Menschen im Mittelgang des Waggons in die andere Richtung. Per Durchsage wird informiert, dass aufgrund eines technischen Defekts die Türen im hinteren Zugteil nicht zu öffnen sind. In allen Wagen, außer in dem, in dem ich sitze: Wagen 37. Der Wagen, der eigentlich gar nicht da sein sollte. Normal.

Vom Jugendwahn und subjektiver Schönheit

Zugegeben, das art’otel in Amsterdam gehört durchaus zu den optischen Highlights in der touristischen Welt. Ästhetik pur für das betrachtende Auge. Einrichtung top, Design wunderbar und viele künstlerische Details verführen die Sinne.

Zugegeben, auch das Personal des Hotels ist von der sehr freundlichen Gattung. Immer ein Lächeln, stets hilfsbereit und sprachlich sehr international unterwegs.

Eigentlich alles vorbereitet für einen Wohlfühlaufhalt, dem auch außer einer nicht zu unterschätzenden Lärmlast aus der wirklich sehr stimmungsvollen und gut gefüllten Bar nichts entgegensteht. Aber es ist etwas Anderes, das verwundert in diesem Hort der scheinbaren Schönheit.

Kein Mitarbeiter scheint die 40 wirklich schon überschritten zu haben. Allerortens junge und jugendliche Gesichter. Frisch renoviert präsentiert sich das 5-Sterne-Haus, frisch und unverbraucht wirken die Mitarbeiter.

Ein Gedanke mag sich aber nicht verabschieden. Was, wenn dieses Hotel auf Dauer erfolgreich ist? Was, wenn das Arbeitsklima so positiv ist wie der äußere Anschein. Wie sieht dann das Personal in 10, 20 oder gar 30 Jahren aus. Ist dann das Durchschnittsalter nicht mehr 30 sondern 60?

Das Management ist gut beraten, auch in der Mitarbeiterschaft stets eine gesunde Mischung auch altersmäßig zu schaffen um dauerhaft Erfolg zu finden.